Fehlerhafte TTWROR bei Einzelkonten ohne Depot


#1

Es kann sein, das ich etwas nicht richtig verstanden oder falsch eingestellt habe, und deswegen einen seltsamen Wert erhalte. Dennoch wurde ich angehalten, das Phänomen als Fehler zu melden, deswegen möchte ich das hiermit tun.

Dies ist die TTWROR-Entwicklung eines Portfolios, welches nur ein einziges Konto und ein (nicht verwendetes, aber erzwungenermaßen angelegtes) Dummy-Depot enthält. Dieses Konto soll meinen Riester-Sparvertrag abbilden. Dementsprechend sind keinerlei Wertpapiere vorhanden, sondern nur Buchungen auf dem Referenzkonto. Es gibt Einlagen, es gibt Gebühren, es gibt Zinsen, und es gibt die staatlichen Zulagen, welche ich der Übersichtlichkeit halber als Steuerrückzahlung eintrage. Wenn ich sie stattdessen als Zinsen eintrage, macht das in der Berechnung übrigens keinen Unterschied.

Welche Schritte sind nötig, um den Fehler nachzuvollziehen? Was muss man eingeben, auswählen, etc.

  • Ein neues Portfolio erstellen.
  • Auf dem Referenzkonto über einen längeren Zeitraum hinweg Einlagen, Zinsen und Gebühren buchen. In meinem Fall werden Erträge und Gebühren nur einmal im Jahr verbucht, Einlagen dagegen monatlich.
  • Die Performanceauswertung im Diagramm und auf dem Dashboard betrachten.
  • Keine anderen Funktionen nutzen.

Was ist das erwartete Ergebnis? Also was sollte Deiner Meinung nach dann passieren?

Die Erträge und Gebühren ändern sich bei meinem Riestervertrag von Jahr zu Jahr, bei einer durchgehend wachsendem Gesamtmenge an Einlagen. Daher würde ich davon ausgehen, dass die Performance von Jahr zu Jahr schwankt. Mal läuft es besser, mal nicht so gut. Und über den Gesamtzeitraum gesehen pendelt sich die Performance dann auf einem Durchschnittswert ein.

Was passiert stattdessen (tatsächliches Ergebnis)? Welche Fehlermeldung erscheint? Welcher Wert wird ausgegeben?

Ich beobachte hier einen Performanceverlauf, der ausnahmslos steigt, wenn ein Jahresergebnis ebenfalls positiv ist. Soll heißen: wenn Jahr 1 richtig gut gelaufen ist, und Jahr 2 gerade so über der Nulllinie liegt, dann ist die Gesamtperformance über beide Jahre trotzdem höher, als wenn nur das erste Jahr betrachtet wird. Es ist fast so, als ob die einzelnen Jahresergebnisse aufaddiert statt gemittelt würden.

Der einzige Weg, die TTWROR-Kurve wieder nach unten zu bewegen, liegt darin, einen Jahresverlust zu buchen. Solange das nicht passiert, steigt sie fröhlich weiter. Weswegen bei mir mittlerweile eine Gesamtrendite von 183% über zehneinhalb Jahre angezeigt wird, obwohl real den getätigten Einlagen von 7620€ nur ein Kapitalgewinn von 1761€ gegenübersteht:

In der Heatmap der Monatsrenditen sieht man hier sehr schön, warum der berechnete Wert utopisch ist. Zwar gab es am Anfang ein-zwei Jahre, in denen sehr hohe staatliche Zulagen auf sehr wenig Eigenkapital gekommen sind, was selbstverständlich zu hohen Renditen geführt hat. Mit der Zeit hat sich das allerdings deutlich normalisiert, da das gesparte Kapital bei relativ gleichbleibenden Zulagen stetig wächst. Zwar steigen die Zinsen ebenfalls, aber der Zinssatz ist im Verlauf des Jahrzehnts vom Anbieter mehrfach gesenkt worden.

Ich verwende die aktuell neueste Version der Software (0.30.1).

Die Portfoliodatei ist hier angehängt: Riester.xml (62,2 KB)
Sie enthält keinerlei sensible persönliche Informationen.


#2

Das Diagramm zeigt die gesamte Performance (TTWROR) vom Beginn des Auswertezeitraums bis zu dem Zeitpunkt auf der x-Achse. Wenn Deine Performance jedes Jahr positiv ist, steigt die Performance daher in diesem Diagramm immer weiter.

Die TTWROR ist auch nicht annualisiert. Siehe auch: Wie ist meine Rendite? Was ist der Unterschied zwischen internem Zinsfuß und True Time-Weighted Rate of Return?


#3

Das Thema habe ich gelesen, sogar zweimal. Trotzdem ergibt sich daraus für mich nicht das Verständnis, wie es zu einer quasi unendlich steigenden Renditekennziffer kommen kann. Jedes weitere Jahr, für das ich ein Jahresergebnis verbuche, führt automatisch dazu, dass der TTWROR-Wert beliebig weiter steigt. Er kann überhaupt nicht fallen, solange ich keinen tatsächlichen Verlust buche.

In dem Beispiel im verlinkten Post wird erklärt, dass der TTWROR-Wert derjenige ist, den man erwarten konnte, wenn man seine gesammte Anlagesumme als Einmalzahlung direkt am Anfang eingesetzt hätte:

"Nehmen wir an, der Wert des Investments b verlief eher turbulent. In der ersten Jahreshälte verlor es 80% an Wert, in der zweiten Jahreshälfte hat es 75% gewonnen. (…)

Hättest Du aber direkt 100 Euro investiert, wären daraus nach einem halben Jahr 20 Euro geworden und nach einem weiteren halben Jahr dann immerhin noch 35 Euro. Eine Rendite von -65%! (…)

Die zeitgewichtete Rendite, TTWROR bereinigt die Rendite um Zu- und Abflüsse von Kapital. Sie beträgt daher für Investment b -65%. Das ist die Rendite, die Du tatsächlich erhältst, wenn Du nur eine Einmalzahlung leistest."

Ergo verstehe ich das so, dass mir diese Berechnung erzählt, dass ich bis heute 183,14% Rendite bekommen hätte, wenn ich im September 2007 einmalig 7620€ angelegt hätte. Das kann doch niemals stimmen?


#4

Das ist richtig beobachtet und in meinen Augen auch korrekt. Aber so ist das nun einmal mit einer Performance. Wenn Du keinen Verlust einfährst, sinkt weder Dein Kontostand noch die Performance.

Ignorieren wir mal Zuzahlungen: Wenn Du im ersten Jahr 10% machst, dann beträgt die Gesamtrendite 10%. Wenn Du im zweiten Jahr wieder 10% machst, beträgt die Gesamtrendite 21%. Machst Du im dritten Jahr 0%, beträgt die Gesamtrendite immer noch 21%.

Betrachtet man Anlagen mit Ein-/Auszahlungen gibt es zwei Varianten. IZF und TTWROR. Die Unterschiede sind in dem verlinkten Artikel erklärt.
Wichtig ist dabei zu beachten, dass die TTWROR ist nicht annualisiert ist, wogegen der IZF es schon ist.

Die TTWROR gibt an, wie Deine Rendite theoretisch gewesen wäre, wenn es keine Ein- und Auszahlungen gegeben hätte. Ob die TTWROR in diesem Fall korrekt ist oder nicht, habe ich nicht nachgerechnet. Der Zeitpunkt der Verbuchung von Einzahlungen und Zinszahlungen spielt eine wesentliche Rolle.
Die Tatsache, dass staatliche Förderung bei Riester von der Einzahlung abhängt, nicht jedoch vom Gesamtwert, ist natürlich nicht berücksichtigt. Ich bezweifle, dass die TTWROR in diesem Fall eine sinnvolle Vergleichsgröße ist.


#5

Okay, das Detail hat mir noch gefehlt! Jetzt verstehe ich zumindest, warum die Kennzahl keinen Mittelwert anstrebt.

Hmmm. Um genau zu sein ist sie nicht von den Einzahlungen abhängig, sondern von einem Wert, der mit dem Sparvertrag an sich nichts zu tun hat (dem Einkommen des Vertragsnehmers). Aber ja, du hast recht, der Gesamtwert ist irrelevant. Man müsste sie eher als pauschale Einmalzahlungen sehen.

…Kann es sein, dass diese Tatsache den TTWROR quasi direkt zu Beginn “abschießt” und damit als Kennzahl in diesem Fall unbrauchbar macht?


#6

Wenn Du die farbigen Zahlen in der Heat-Map zusammenzählst kommst Du ungefähr auf den TTWROR Wert. Das könnte schon passen…
Stimme Dir aber zu, dass das komisch ist und bei solchen Anlagen wohl auch keinen Sinn ergibt…
Schließlich handelt es sich bei der Riesterzulage um eine Einmalzahlung und nicht um einen Prozentwert. Egal ob ich 2.000 € (eingezahlt) habe oder 20.000 €. Man erhält immer nur die ~180 € (oder entsprechend mehr bei Kindern).
Eine TTWROR zu berechnen so wie sie definiert ist, ergibt nur Sinn bei Erträgen, die prozentual anfallen und unabhängig vom Betrag sind.