Deutsche Steuererklärung für Interactive Brokers

Hallo,
Interactive Brokers liefert keine brauchbaren Daten für die deutsche Steuererklärung. Beispiel: egal ob ich die jährliche Performance oder die vom Dezember abrufe, ich bekomme immer den gleichen Gewinn. Die scheinen den Gewinn immer vom Kaufdatum an bis zum eingegebenen Endzeitpunkt zu rechnen, egal welchen Zeitraum ich abfrage.
Ich würde gerne wissen, wie PP das bei Ermittlung des Jahresgewinns rechnet:

  1. Wertpapier wird über das gesamte Jahr gehalten.
  2. Wertpapier wird innerhalb des Jahres gekauft und über das Jahresende gehalten.
  3. Wertpapier wird vor dem Jahresanfang gekauft und im Jahr verkauft.
  4. Wertpapier wird innerhalb des Jahres gekauft und wieder verkauft.

Weiter wäre wichtig zu wissen, wie die Forexberechnung funktioniert. Wird ein Wertpapier in Fremdwährung verkauft, ist das steuerlich ein Kauf der Fremdwährung. Über ein Jahr gehaltene Fremdwährungen und Cryptos sind steurfrei, es gilt das FIFO-Prinzip. Wie wird das in PP gemacht? Kann ich damit die Steuer machen?
Besten Dank

Für die Wertpapiere wahrscheinlich ganz gut (Betrachtung der im relevanten Jahr geschlossenen Trades und der Ausschüttungen), für Währungen wie Dollar nicht. Kryptowährungen als Wertpapiere gehen vermutlich, du musst aber die steuerrelevanten Trades, d.h. innerhalb der Spekulationsfrist, von Hand (oder mit einem externen Skript) herauspicken.

interactive brokers liefert durchaus brauchbare daten für die deutsche steuererklärung, je nachdem über welches “frontend” man darauf zugreift. hier die version für CAPTRADER:

  • in die kontoverwaltung einloggen
  • performance und berichte auswählen
  • unter steuerberichte/steuern gibt es ganz unten rechts in der ecke den punkt “informative steuerberichte”
  • dort bei “rechtsordnungen” die entsprechenden angaben machen
    danach bekommt man (recht spät im jahr) eine komplette übersicht mit ausfüllhilfe für die steuererklärung. d.h. schreib das in zeile 5, das in zeile 8 usw. der anlage aus, kap, …
    beste grüße

Der “Steuerbericht” heißt nicht umsonst “informativ”. Ich vermute bei captrader ist der nicht anders wie bei IBKR selbst. Verlustvorträge z.B, werden dort überhaupt nicht aufgeführt. Ich schreibe und telefoniere jetzt schon seit Wochen mit IBKR und bekomme keine brauchbaren Antworten, die wundern sich selbst, dass es nicht stimmt… Probiert das Beispiel aus meinem ersten Post selbst aus, das stimmt hinten und vorne nicht.
Wer kann mir denn sagen ob PP das besser hinbekommt und wie genau das PP für die 4 möglichen Kauf- und Verkaufszeitpunkte rechnet? Zu welchen Zeitpunkten wird in die Basiswährung umgerechnet?

Wie gesagt, du willst das, was in PP Trades heißt. Das passt dann schon.

Hat schon mal jemand den Steuerservice für IBKR Kunden von bubbletax.de in Anspruch genommen?

Ja, ich. Hat einwandfrei funktioniert.

Erfahrungsbericht zu BubbleTax auf YouTube: https://youtu.be/dYoTgLxABMg

Hatte gerade einen Supportanruf bei Captrader (wegen etwas anderem) und habe gleich mal zu dem Thema gefragt. Aussage war, dass dringend von dem informativen Steuerbericht abgeraten wird und man lieber den Performancebericht verwenden soll, der einem immer im April des Folgejahres per Mail gesendet wird. Dürfte aber ein Captrader-spezifisches Feature sein.

Ich bin auf bubbletax.de gestoßen, weil WH SelfInvest diesen Service jetzt wohl auch nutzt.

Ich habe IBKR gekündigt, mein Steuerberater hat die Krise bekommen. Dieses Bubbletax soll ja inzwischen soger die Vorabsteuer bei ETFs berechnen. Ob das am Ende alles stimmt, sei dahin gestellt.

Der Mangel an Steuerberatern sei wohl deshalb entstanden, weil die Banken die Steuerberater von der Schule weg abwerben. Die brauchen sie für ihre Software mit sich ständig ändernden Steuergesetzen. Willkommen im besten Deutschland aller Zeiten…

Und hast du passenden Ersatz gefunden?

Der Captrader Support meint hier denke ich den informativen Steuerbericht, den IB selbst zur Verfügung stellt. Der ist in der Tat nicht zu gebrauchen und fehlerhaft.

Meinst du? Schließlich habe ich geschrieben

Wer Ironie findet, darf sie gerne behalten :wink:

Oder beziehst du dich auf den von mir erwähnten Performancebericht? Das ist was anderes, wird dir per Mail zugesendet und steht über die Oberfläche nicht zur Verfügung. Mal einen um die Werte gestrippter Screenshot, was der enthält:

Ja, der Bericht heißt im IB / CapTrader Account ja “Informativer Steuerbericht” :slight_smile:

Nein , den Performancebericht kenne ich, da ich auch bei CapTrader bin. Den BubbleTax Bericht finde ich persönlich besser, da alles detailliert aufgelistet ist. Was mein Finanzamt dazu sagt bleibt abzuwarten…

IBKR ist nicht schlecht, um nicht zu sagen einer der Besten. Das Problem ist das deutsche Steuersystem. Die deutschen Broker haben aber inzwischen nachgezogen und die nehmen einem den Steuerwahnsinn ab. Ich würde keinen Neobroker nehmen, die alles für umsonst machen. Ich meine gelesen zu haben, dass sie die Finanzierung der Broker über die Börsen oder Fondsgesellschaften verbieten wollen oder dass sie wenigstens diese versteckten Kosten offenlegen müssen. Ich bin bei flatex gelandet, handle aber nicht allzu häufig.

Was bei den IBKR Berichten nicht stimmt ist die Berechnung des Gewinn/Verlusts über einen bestimmten Zeitraum. Der G/V wird IMMER vom Kaufzeitpunkt bis zum eingegebenen Endzeitpunkt angegeben, egal was ich für einen Startzeitpunkt angebe.

Beispiel: wenn ich den Jahres-G/V von 2025 errechnen will, von einem Papier das ich durchgehend gehalten habe, dann muss ich im Report einmal den Endzeitpunkt 31.12.2025 eingeben. Dann muss ich einen zweiten Report mit Endzeitpunkt 31.12.2024 erstellen. Die Startzeitpunkte sind beides mal egal. Um den Jahresgewinn zu ermitteln muss ich dann vom 2025-er-Report den 2024-er Wert abziehen. Ich kann also keinen Jahresgewinn ermitteln indem ich Startzeit 1.1.2025 bis Endzeit 31.12.2025 eingebe!!! Ich habe lange mit denen diskutiert deswegen…

Bevor ich auf den Punkt von @saxofon eingehe, möchte ich vorweg gleich Transparenz schaffen: Ich bin Entwickler von klyris.de, einem kostenpflichtigen Tool für genau dieses Thema. Daher gerne meinen Beitrag entsprechend kritisch lesen.

Was @saxofon beschreibt, trifft den Kern: Aus den Perioden-Reports bekommt man kein sauberes Einzeljahr, und das lässt sich auch mit anderen Einstellungen nicht erzwingen, weil der Report aus meiner Sicht eine andere Frage beantwortet. Er zeigt, was eine Position seit Kauf gebracht hat (US-Sicht). Die Steuerfrage ist eine andere: Was wurde genau in einem Kalenderjahr nach deutschen Regeln realisiert? Dafür braucht es eine eigene Rechnung (FIFO über die vollständige Historie, Umrechnung je Transaktionstag zum EZB-Referenzkurs und die Trennung nach Verlustverrechnungstöpfen). Die Datenbasis dafür ist die vollständige Flex-Query-XML, nicht der Perioden-Report. Das passt auch zum Hinweis von kimmerin, dass der CapTrader-Support selbst vom “informativen Steuerreport” abrät.

Eine Info, die ich für den Thread nützlich finde, weil sie alle betrifft, die mit Termingeschäften handeln: Der 20.000-Euro-Deckel für Verluste aus Termingeschäften ist durch das JStG 2024 entfallen, rückwirkend ab dem Veranlagungszeitraum 2024.
Quellen: § 20 Abs. 6 EStG a. F.; BGBl. 2024 I Nr. 387

Damit ihr einordnen könnt, woher ich komme: Das Tool ist aus meiner eigenen IBKR-Steuererklärung entstanden. Es liest die vollständige Flex-XML und rechnet komplett im Browser, hochgeladen wird nichts. Am Ende stehen die Zeilen der Anlage KAP je Veranlagungszeitraum und eine Aufstellung als PDF für die Belegnachreichung. Jede Position lässt sich bis auf die einzelnen Legs aufklappen, und das Tool vergleicht sein Ergebnis je Position mit der realisierten P&L, die IBKR selbst ausweist. Abweichungen werden angezeigt statt versteckt. Weil das Tool aus meinem eigenen Depot entstanden ist, deckt es genau das ab, was ich selbst gebraucht habe: Termin- und Stillhaltergeschäfte. Aktien und Dividenden rechnet es derzeit nicht; ob das dazukommt, mache ich von der tatsächlichen Nachfrage abhängig. Wer möchte, kann es sich unter klyris.de/demo ohne Anmeldung ansehen.

Abschließend noch die Anmerkung: Ich bin kein Steuerberater und biete keine steuerliche Beratung an. Individuelle Fragen gehören zu einem Steuerberater.

Der Richtigkeit halber eine Präzisierung zu meiner Nachricht oben, da mir beim Nacharbeiten der Quellen zwei Punkte aufgefallen sind:

Aufgehoben wurde konkret § 20 Abs. 6 Satz 5 EStG a.F., oben hatte ich pauschal “Abs. 6” geschrieben. Die Anwendungsregel dazu steht in § 52 Abs. 28 Satz 25 EStG: § 20 Abs. 6 Satz 5 a.F. “ist auf alle offenen Fälle nicht mehr anzuwenden”.

Das ist weiter gefasst, als meine Formulierung “rückwirkend ab dem Veranlagungszeitraum 2024” es nahelegt: der Wegfall des Deckels gilt nicht erst ab 2024, sondern in allen verfahrensrechtlich noch offenen Fällen, also auch für die Veranlagungszeiträume 2021 bis 2023, solange der jeweilige Bescheid nicht bestandskräftig ist. Bereits bestandskräftige Bescheide werden dadurch nicht wieder aufgerollt.

Ob ein konkreter Fall noch offen ist, ist eine Einzelfallfrage und gehört zum Steuerberater.